ScreenFlow – 3..2..1..Aufnahme!
Seit etwa eineinhalb Jahren arbeite ich am Videolernportal “hoTodi”. Man kann dort sehr viele Videos finden die ich in sehr mühevoller Arbeit erstellt habe.
Was ist die Idee hinter diesen Videos gewesen? Viele Menschen aus meinem Umfeld kontaktieren mich immer wieder mit Problemen, denen sie an ihrem Computer während der Bedienung entgegenstehen. Anfangs habe ich immer am Telefon geholfen oder habe mich daneben gesetzt und erklärt, jedoch wurde das auf die Dauer recht stressig, denn die Fragen wiederholten sich von Anwender zu Anwender. Was also tun? Die Idee hoTodi war geboren.
Nun ging es darum Videos auf die Seite zu bekommen, ich machte mich also auf die Suche nach einem geeigneten Werkzeug. Nach vielen Versuchen wollte es der Zufall so, dass ich auf einer Mac-News-Seite etwas über ScreenFlow lese. Ein Versuch konnte ja nichts schaden und so lud ich mir eine Testversion direkt vom Hersteller herunter.
Ich bin selbst viele Jahre in der Softwareentwicklung tätig gewesen und stehe noch heute beratend für einige Firmen in der (positiven) Pflicht. Primär geht es für mich um die Usability. Wie kommt ein Programm beim Anwender an, wie findet er sich zurecht und wie schwer ist die Einarbeitungszeit – um nur eine der für mich wichtigen Schwerpunkte zu nennen. Bei ScreenFlow viel mir sofort sehr angenehm auf, dass sich das Programm ohne große Einarbeitungszeit schnell bedienen lies und vieles sich wirklich von selbst erklärt. Daneben halfen die vom Hersteller bereitgestellten Lehrvideos um in die Tiefe gehen zu können.
Das erste Video war schnell erstellt und konnte sich sogar sehen lassen, genau DAS ist es, was ein Anwender haben möchte: Schnelle Resultate, schnelle Erfolge. Je mehr ich mit dem Programm arbeitete, je mehr Videos ich erstellte, desto besser wurden sie. Es machte richtig Spaß damit zu arbeiten und dank dieser Software findet man bis heute mittlerweile an die 70 Lehrvideos von mir.
Die Oberfläche (GUI):
Zunächst einmal ist lobend zu erwähnen, dass der Herteller endlich den deutschen Markt ernst nimmt und die gesamte Applikation in deutscher Sprache vorliegt. Die Umsetzung ist dabei auch noch richtig gelungen und man ist noch einfacher in ScreenFlow eingearbeitet.
Um ein Video aufzunehmen geht man bei ScreenFlow Schritt für Schritt vor, man startet das Programm, sagt was man aufnehmen möchte, nimmt auf, bearbeitet das Video, stellt es bereit. Klingt viel, wer soll sich das alles merken?
ScreenFlow stellt sicher, dass wir die Schritte so einhalten und hilft uns dabei, das Ziel im Auge zu behalten. Startet man das Programm wird man nicht mit allen möglichen Einstellungen überflutet sondern findet ein einfaches kleines Fenster vor in dem man nur die wichtigsten Einstellungen vornehmen kann. Das macht durchaus Sinn, so vermeidet man die Fehler schon direkt beim Start.
Man sucht sich die Audio/Videoquelle aus und gibt an, ob man auch die Audioausgabe selbst mit aufnehmen möchte oder nur das was auch ins Mikrofon geht. Per default hat ScreenFlow aber schon die Einstellungen für den Anwender vorgenommen und eigentlich könnte man direkt loslegen. Schön ist hier aber auch vor allem, dass der Anwender direkt sehen kann,wie die Kamera auf den Tutor ausgerichtet ist.
Sind die möglichen Einstellungen vorgenommen, kommt ein Countdown. Diesen empfinde ich selbst als wirklich wichtig, versetzt er den Anwender doch in eine Art “Jetzt geht es los, Achtung!” Modus.
Ist alles aufgenommen beendet man diese Aufnahme mit der angegebenen Tastenkombination. Hier finde ich die Bedienung etwas kompliziert und konnte beobachten, dass es den ein oder anderen in der Tat ins “Schwitzen” bringen kann, diese Tastenkombination zu finden. Alternativ dazu kann man oben in der Menübar auf den Icon von ScreenFlow klicken um die Aufnahme zu beenden.
Nun endlich öffnet sich ScreenFlow selbst und offenbart uns seine ganze “Schönheit”. Der erste Blick mag etwas überwältigen wegen der vielen Elemente auf dem Bildschirm. Wer schon einmal einen Videoeditor bedient hat, wird aber sofort den logischen Aufbau erkennen, man hat sich hier perfekt daran orientiert.
Die Oberfläche wirkt sehr gut durchdacht und aufgeräumt, nichts ist zuviel oder zu wenig.
Besprechen wir die Oberfläche im Einzelnen:
- Zunächst einmal ist links das große Fenster mit dem gerade aufgenommen Video. Auffällig ist, dass wir beide Aufnahmen sehen, zum einen das was auf dem Bildschirm passiert ist und zum anderen die Aufnahme über die Kamera.
- Rechts daneben ist unser “Konfigurationsmenü” (Hierzu gleich mehr)
- darunter die Leiste für Start/Stop, Aufnahmepegel…
- Noch einen weiter darunter kommen dann die beiden”Filmstreifen”, welche auch einzeln behandelt werden für Ton, Effekte, Schnitt…
Klickt man nun unten auf einen der beiden Zeitlinien kann man rechts oben Änderungen vornehmen. Hier blüht ScreenFlow richtig auf, es bietet sehr gute Effekte von Haus aus und stellt dem Anwender eine Vielzahl von Werkzeugen zur Verfügung wie Reflektion, Transparents, Echo…
Im Editor für die Videoeigenschaften wird schnell klar was wirklich alles geht. Ob Größe oder Position, Rotation, Fade-In/Out, Schatten… Ein Tutorial wird durch solche Effekte schnell zu einer Augenweide. Der Betrachter wird mit wenigen Mitteln fokussiert auf bestimmte Stellen im Video. Hier ist rumspielen auf jeden Fall angesagt, denn wie sagt man so schön: Übung macht den Meister!
Bevor wir nun den nächsten Part besprechen, möchte ich auf die Funktionsweise des Effekteinbaus eingehen. Hier kommt man um ein “WOW” nicht herum. In der Zeitlinie klickt man auf die zu bearbeitende Spur, geht dann im Konfigurationsmenü auf den Button “Video-Aktion hinzufügen” und unten erscheint dann in der Zeitlinie eine eingefärbte Box. Man kann mittels der Maus die Länge oder den Start und den Stoppunkt setzen in dem der Effekt stattfinden soll. Ein bisschen experimentieren um Übung zu bekommen ist dringend zu empfehlen. Hat man den Dreh aber raus wird es ein Feature sein, dass der Anwender auf keinen Fall mehr missen möchte!
Wer einmal ein Tutorial gemacht hat, weiss wie schwer es ist an den richtigen Stellen das Richtige zu sagen. Auch hier schafft ScreenFlow Abhilfe. Sehr einfach lässt sich der Audioteil aus dem Video extrahieren und beschneiden. Ebenso kann man die Lautstärke anpassen oder einen Effekt an bestimmte Stellen einbauen. Wie schon oben für den Videoteil beschrieben ist die Funktionsweise genauso aufgebaut. Interessant ist das man auch hier mit der Zeitlinie sehr einfach Bereiche festlegen kann in denen der gerade ausgewählte Effekt ausgeführt werden soll.
Klick, Klack, Fokus… Erklärt man etwas macht es an bestimmten Stellen Sinn die Aufmerksamkeit darauf zu legen. Man hat sich gerade hierum offensichtlich seine Gedanken gemacht. So lässt sich der Mausklick in ScreenFlow für das Video animieren und mit einem Klacken untermalen.
Auch das Zoomen und setzen eines Fokus lässt sich auf die aktuelle Mausposition anwenden und zeitlich mittels der Zeitlinie aktivieren.
In dem ein oder anderen Video nutze ich gerne einen Copyright Vermerk oder möchte bei einer Beschreibung in der es z.B. um eine Internetadresse geht gerne weitere Informationen einblenden. Die Entwickler haben hier einiges verbessert, so lässt sich ein Text an einer bestimmten Stelle einblenden und auch wieder ausblenden. Gezielt können nun also Texte wie z.B.: “Achtung! Es wird jetzt kompliziert, schaue auf die linke obere Seite…..” direkt eingeblendet werden und dadurch die Aufmerksamkeit erhöht werden.
Hat man sein ganzes Video erstmal zusammengeschnitten und alles unnötige über Board geworfen kann man nun die angewandten Änderungen noch mit netten Effekten und Übergängen aufpolieren. Ob in eine Stelle zoomen oder ein- und ausblenden. Hier sollte man einfach “rumspielen” und das Ganze wirklich testen, um herauszufinden was für einen das Einfachste sein dürfte. Wer an dieser Stelle etwas experimentierfreudig ist wird schnell mit ganz tollen Ergebnissen belohnt und bekommt imposante Ergebnisse.
Ein besonders Highlight ist die Option, weitere Audio- und Videodateien hinzufügen zu können. Hat man also ein größeres Projekt kann man Video für Video aufbauen und am Ende in ein großes Videoprojekt einbauen. Es lassen sich dadurch auch tolle Hintergrundgeräusche einbauen. Aber auch der Aspekt der multilingualen Videolehrgänge kann dadurch sehr gut aufgenommen werden. So kann man das Video laufen lassen und den Text nochmals in einer anderen Sprache sprechen und dann unterschiedlich rendern.
Die Stabilität:
Vor kurzem hatte ich CamtasiaStudio für Mac OS X getestet und ärgerte mich ohne Ende. Es stürzte ständig ab. So hatte ich dann doch schon meine Erwartungen an ScreenFlow. Zumal ich auch schon die Vorgängerversion nutzte, die eher selten abstürzte. Ich habe nun einige Videos damit gemacht und darf bisher vermelden, dass es noch keinen Absturz gegeben hat. Es ist also durchaus als sehr stabil zu bezeichnen. Probleme die es mit der 2.0 gab wurden auch recht zeitnah mit einer 2.0.1 ausgebessert. Ein Lob an die Entwickler die sich diesen Aspekt anscheinend sehr zu Herzen genommen haben. Nichts ist ärgerlicher als ein Absturz mitten im Programm und wenn dann auch noch die ganze Arbeit weg ist. Mit der Vorgängerversion ist mir dies leider 2-3x passiert.
Die Geschwindigkeit:
Ob schneiden, löschen, hinzufügen, alles wird zügig von ScreenFlow abgearbeitet. Die Geschwindigkeit braucht sich hinter keinem anderen Programm zu verstecken, das ist gewiss. Das Rendern dauert allerdings etwas und hat man ein Tutorial erstellt was mal so 8-10 Minuten geht so kann es passieren, dass das Rendering bis zu 25 Minuten gerne in Anspruch nimmt. Interessant ist hier aber, dass die Prozessorlast nicht zu hoch ist und man daneben noch ganz locker mit seinen anderen Arbeiten fortfahren kann. Läd man ein großes Projekt wird man auch hier nicht sonderlich lange hingehalten, es geht einfach alles zügig und ohne nennenswerte Verzögerung von statten. ScreenFlow dürfte eines der schnellste Programme sein, die ich bisher auf meinem Mac genutzt habe. Selbst Pages läd länger.
Export:
An youTube kommt heute eigentlich kaum mehr einer vorbei, so wundert es nicht, dass man bei ScreenFlow alle Kontoeinstellungen direkt eintragen kann. Es ist direkt möglich den Titel sowie die Beschreibung und die Kategorie einzutragen. Anschließend wählt man noch aus, ob das Video in HQ – Qualität übertragen werden soll und schon geht es los. Die Arbeit wird als Video gespeichert, gerendert und direkt auf youTube übertragen. Wer viel mit youTube macht wird diese Funktion lieben.
Jedoch besteht die Welt aus mehr als nur youTube. Ein Export kann in die gängigsten Formate wie h.264 oder QuickTime und viele mehr in diversen Einstellungen durchgeführt werden. So lässt sich ein Video auch sehr schnell für das iPhone exportieren.
Der Preis:
Wer denkt, dass ein Programm mit solch einer Vielzahl von Funktionen und innovativen Programmumsetzungen ein Vermögen kosten muss, der irrt. Witzigerweise kommt uns dann auch noch der $/€ Kurs zu gute und so hat man mit nicht einmal 70 Euro ($96) eine beeindruckende Software.
Noch mehr Informationen und Demovideos gibt es auf der Seite von Telestream. Die Testversion von 2.0 bekommt an direkt auf diesen Link









Kommentare
2 Antworten für “ScreenFlow – 3..2..1..Aufnahme!”Trackbacks
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[...] einiger Zeit hatten wir uns ja schon intensiv mit der Screenrecording Software ScreenFlow hierauseinandergesetzt. Wie das auch immer so ist, bei einem neuen Release, eine “.0″ hinten klingt immer gut, [...]